innovationsforum 2010

Rückblick auf das Innovationsforum 2010

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Innovationsforum Medizintechnik 2010

Nach der Eröffnung durch die Moderatorin Katja Nellissen hieß der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Helge Braun, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer willkommen. In seinem Grußwort verwies er auf die enorme Bedeutung der Medizintechnik-Branche in Zeiten der großen gesellschaftlichen Herausforderung des demografischen Wandels. Dabei sei es das Ziel, auch mithilfe innovativer Medizintechnik eine bestmögliche Gesundheitsversorgung für den Bürger zu erreichen.

Die Förderung der Medizintechnik sei zentraler Bestandteil der Hightech-Strategie der Bundesregierung. Ein Baustein davon ist der
Innovationswettbewerbs Medizintechnik.

Staatssekretär Braun unterstrich, dass die Bundesregierung weiterhin die Rahmenbedingungen für die Markteinführung und Erstattung neuer medizinischer Technologien daraufhin überprüfen werde, wie sie die Umsetzung von Innovationen erleichtern können. Dabei sei die Zusammenarbeit der drei für die Medizintechnik relevanten Ministerien für den Erfolg essenziell: Das BMBF im Bereich der Forschungs- und Innovationsförderung, das BMWi im Bereich der Industrie- und Exportförderung und das BMG im Bereich der rechtlichen Rahmenbedingungen. Aus diesem Grunde sei es sehr erfreulich, dass an dem diesjährigen Innovationsforum Medizintechnik auch Parlamentarische Staatssekretäre aus dem BMWI und dem BMG sprechen werden.

Staatssekretär Braun erläuterte zudem, dass sich erst kürzlich die betroffenen Ressorts in einem Arbeitstreffen darauf verständigt hätten, im Bereich der Medizintechnik gemeinsam strategisch vorzugehen. Eine Umsetzung dieser Botschaft seien die aktuellen Pläne, im kommenden Jahr die Medizintechnikkonferenz gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium auszurichten, unter aktiver Einbindung auch des Bundesgesundheitsministeriums. Diese Konferenz solle als Meilenstein in einen breit angelegten Strategieprozess eingebettet werden.

 

„Medizintechnik 2020 - Forschungsperspektiven“

Prof. Dr. rer. Nat. Olaf Dössel, Karlsruher Institut für Technologie, wagte in seinem Vortrag einen Blick in die Zukunft der Medizintechnik. Neben der Weiterentwicklung der bildgebenden Verfahren seien interventionelle Techniken, wie z.B. Roboter-assistierte Interventionen oder eine personalisierte Optimierung Zukunftsthemen. Auch das Neuroingenieering ist ein aktuell stark erforschtes Gebiet. Wie können intelligente Prothesen weiterentwickelt werden? Die Zell- und Gewebetechnik wird ebenfalls intensiv erforscht, so dass z.B. Nieren- oder Leberfunktion unterstützt bzw. ersetzt werden können. Schließlich stellt die Telemedizin ein Zukunftsfeld dar, sodass chronisch Kranke oder alte Menschen von ihrem Art behandelt bzw. rechtzeitig Unregelmäßigkeiten aus der Ferne diagnostiziert werden können.

 

„Der richtige Start“

Axel Winkel, Invivo GmbH, war ein Preisträger des Innovationswettbewerbs Medizintechnik im Jahr 2000. Er berichtete, wie der Wettbewerb seinem Forschungsprojekt der automatisierten Positionierung von Instrumenten im Magnetresonanztomographen Starthilfe verliehen hat. Das Projekt erforschte die Potenziale dieser Technologie anhand der zielgerichteten Prostatabiopsie.

Innovationswettbewerb Medizintechnik

Vor der offiziellen Preisverleihung präsentierten zwei Preisträger ihre prämierten Projekte im Detail. Prof. Dr. Ralph G. Luthardt von der Klinik für zahnärztliche Prothetik des Uniklinikums Ulm, zeigte, wie mit der neuen ReversFix-Technologie zahnärztliche Restaurationen wie z.B. Kronen zerstörungsfrei entfernt und wiederbefestigt werden können.  Anschließend stellte Dr. Markus Cavalar seine innovative Methode zur schnellen Bestimmung von Pilzinfektionen bei immunsupprimierten Patienten vor: ein vollintegriertes Lab-on-a-chip-System.

Anschließend überreichte Bärbel Brumme-Bothe, Leiterin der Abteilung „Lebenswissenschaften – Forschung für die Gesundheit“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Namen von Bundesministerin Annette Schavan den weiteren 13 Gewinnern des Innovationswettbewerbs Medizintechnik 2010 feierlich ihre Urkunden.

Networking: „Politik, Wissenschaft und Gesundheitswirtschaft
im Dialog“

Die 90-minütige Mittagspause bot viel Zeit für Gespräche. Verschiedene Lounges ermöglichten den Teilnehmern einen Gedankenaustausch in entspannter Atmosphäre. Zudem konnten die Teilnehmer sich in einer Posterausstellung über die am Vormittag ausgezeichneten Projekte des Innovationswettbewerbs Medizintechnik 2010 im Detail informieren.

Aufgrund von über 20 kurzfristig einberufenen namentlichen Abstimmungen im Bundestag konnten der Parlamentarische Staatssekretär Ernst Burgbacher, Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, sowie der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Gesundheit, Daniel Bahr, ihre Redeparts auf dem Innovationsforum leider nicht wahrnehmen. Beide bedauerten diese kurzfristige Absage bedingt durch die aktuellen politischen Gegebenheiten sehr, ließen aber ausrichten, dass sie an zukünftigen Medizintechnik-Konferenzen sehr gerne persönlich mitwirken würden.

„MedTech made in Germany: vom starken Heimatmarkt
in den globalen Markt

Christian O. Erbe, ERBE Elektromedizin GmbH, gab einen Überblick über die Exportstärke der deutschem Medizintechnikindustrie und wies zugleich auf konkrete Defizite des derzeitigen Systems hin. Auf der einen Seite ist die deutsche Medizintechnik hinter den USA zweitgrößter Nettoexporteur. Die Branche sei mit innovativen Produkten, die ein sehr großes Spektrum abdecken, äußerst wettbewerbsfähig und stelle eine wichtige Säule für den Wirtschaftsstandort Deutschland dar. Demgegenüber stehe ein großer Investitionsstau in deutschen Kliniken. Eine wichtige Stellschraube sah Herr Erbe in der notwendigen unternehmerischen Ausrichtung der Leistungserbringer. Auch die Vergütungssysteme müssen angepasst werden, um eine bessere Versorgung für eine breite Bevölkerungsschicht zu ermöglichen. Eine Lösung hierfür könne eine moderne „vernetzte Gesundheitsinfrastruktur“ sein, entlang der gesamten Diagnose-, Behandlungs- und Nachsorge-Kette.

„Von der Innovation zur Erstattung – ein Hürdenlauf“

Matthias Borst, Becton Dickinson GmbH, hielt seinen Vortrag als Vertreter aller Industrieverbände, die das Innovationsforum Medizintechnik mit tragen – also für den ZVEI, für SPECTARIS, für den BVMED und für den VDGH.
Herr Borst illustrierte dass die Branche zwar hochgradig innovativ sei und in Deutschland für Arbeitsplätze und Wohlstand sorge, sich aber im internationalen Vergleich zeige, dass eine nennenswerte Wachstumsdynamik für die Medizintechnik in Deutschland nicht gegeben sei. Ganz im Gegensatz zu Auslandsmärkten.
Grund dafür sei vor allem die bereits im Jahr 2008 in einer vom BMBF geförderten Studie identifizierte Stellschraube der Anerkennung durch die GKV. Anders als im Arzneimittelsektor bedeute für die Medizintechnikhersteller Marktzulassung eben nicht automatisch Finanzierung durch die GKV. Bei der Erstattung durch die GKV fehle es zum einen an Transparenz im Bewertungsausschuss von Ärzten und Krankenkassen. Zum anderen gebe es bei Innovationsbewertungsverfahren keine Zeitziele, was teilweise zu extrem langen Prozeduren und auch zu Unsicherheiten bei der Industrie führe.

Herr Borst unterstrich zudem, dass flankierend der Kassenwettbewerb an den richtigen Stellen gefördert werden sollte, nämlich da wo es um Qualität und Leistungswettbewerb geht. Wer seinen Versicherten eine medizinische Innovation besonders schnell zur Verfügung stellen will, sollte die Möglichkeiten dafür erhalten. Schließlich sollte auch die Versorgungsforschung ausgebaut werden. Denn diese hilft, die sektorübergreifenden positiven Effekte medizintechnischer Innovationen zu untermauern.

Podiumsdiskussion:„Medizintechnische Innovationen – Wachstumsmotor oder Kostentreiber?“

An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen teil:

- RD Peter Hassenbach, BMBF
- Prof. Dr. Thomas Schmitz-Rode, acatech
- Dr. Meinrad Lugan, BVMed
- Georg Baum, Deutsche Krankenhausgesellschaft
- Prof. Dr. med. Jürgen Windeler, IQWiG
- Prof. Dr. med. Dieter Bitter-Suermann, MFT
- Ulrich Krauss, SPECTARIS


Die Teilnehmer unterstrichen die von Herrn Borst identifizierten Stellschrauben zur Erleichterung des Marktzugangs innovativer Medizinprodukte. Einigkeit wurde darüber erzielt, dass es einen konkreten Fahrplan für die Zulassung (darunter für die klinische Prüfung, die Nutzenbewertung etc.) geben sollte, der vor allem KMUs in der Medizintechnikbranche eine große Unterstützung sein kann. Die Kriterien sollten transparent gemacht werden, damit Medizintechnikunternehmen wissen, woran der Nutzen eines Medizinprodukts wirklich gemessen wird. Herr Windeler erklärte sich bereit, in einen Gedankenaustausch mit Vertretern der Medizintechnikindustrie zu Fragen der transparenten Ausgestaltung des Erstattungsregimes einzutreten. Um den in deutschen Kliniken identifizierten Investitionsstau zu bekämpfen, benötigen Krankenhäuser vor allem eigene Investitionsmittel, so die Diskussionsteilnehmer. Durch verkürzte Liegezeiten bekämen die Kliniken die Möglichkeit, Gewinne zu erwirtschaften, die sie wiederum reinvestieren könnten. Hierfür seien bereits private Kliniken ein gutes Beispiel.
In Richtung Politik wurde formuliert, dass eine Koordinierung der drei Häuser BMBF, BMG und BMWi essenziell sei. Die begonnenen Abstimmungsgespräche seien ein guter Start.
Wichtig sei auch eine größere Unterstützung für die Finanzierung der notwendigen Studien. Eine Forschungsunterstützung z.B. durch einen gemeinsamen Fonds wäre eine interessante Lösung.

Weitere Zukunftsthemen, die die Branche bewegen, seien der Fachkräftemangel und die Ausbildung von Ingenieursnachwuchs. Außerdem wünsche sich die Industrie eine stärkere Exportbegleitung durch die Politik, um den Marktzugang auf Auslandsmärkten zu erleichtern.

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